... über das Leben mit vier Männern · Vreni schreibt

Chill mal Mama – Das Jugendsprache Bullshit Bingo: Meine Favoriten

Erwachsene Menschen filmen sich beim Zocken und labern dumm. Dies scheint sich umgekehrt proportional zu verhalten: je kleiner das Gehirn der Labertasche, desto mehr gibt sie von sich.

Auf mein morgendliches „Aufstehen!“ folgt schon seit längerem aus einem der Kinderzimmer nur noch „lass mich in Ruhe“, „ich will noch schlafen“, „mach das Licht sofort wieder aus“, oder Ähnliches. Abends hingegen tönen aus demselben Zimmer bis in die Nacht „Deine Freunde“, untermalt natürlich mit eigenem Rap. Es ist bald soweit! Noch haben wir etwas Schonfrist, befinden uns im Vorstadium, in der Verpuppung sozusagen. Schon bald aber wird das Weilersche Pubertier ausgereift sein, seine großen Flügel aufschlagen und über uns herrschen. Erste Zeichen finden sich schon in der Sprache unseres Ältesten. „Mama chill mal“ und  „OMG“ – natürlich in englischer Aussprache – sind zu meinem Leidwesen beispielsweise schon bei uns angekommen. Aber so ist das eben in der Jugend.

Jugendsprache der 90er

Wir kennen es alle und haben es alle mitgemacht. Die Eigenheiten der eigenen Jugendsprache. Prägend bei mir also die 90er. Manche Wörter erleben ein Revival wie „krass“. Manche sind Dauerbrenner wie „geil“, wobei man da heute ja eher eine Frage daraus macht: „Wie geil ist das denn?“ am besten noch mit einem „Bitte“ hintendran. Manche werden einfach ersetzt wie „gediegen“ durch „gechillt“, „übelst“ durch „voll“ bzw. etwas länger gezogen „vo-oll“ oder „schnieke“ durch… ähm nix. Denn manche sind einfach vollkommen zu Recht aus dem Sprachgebrauch gestrichen worden. Dinge wie „Stück mal en Rück“, „dufte“, „Okidoki“ oder „Flitzpiepen“ braucht doch wirklich kein Mensch, oder!? Wobei: Letzteres scheint wieder zu kommen und finde ich irgendwie süß 😉

Jugendsprache 2020

So gibt es nun auch in der jetzigen Jugend einiges, das ich höchst befremdlich finde. Aber auch irgendwie cool 😉 Denn natürlich sollen auch unsere Kinder ihre eigene Ausdrucksweise haben. Ich habe einfach mal meine drei Favoriten zusammengetragen, von denen ich hoffe, dass sie nicht alle so lange durchhalten, bis sie bei unseren Jungs ankommen werden.

Meine Top 3 der Jugendsprache

Alter

Okay. Hier hat das Schiff schon lange den Hafen verlassen. Zu spät zum Hoffen. Neue Folge online: „Alter“. Folge gut: „Alter“. Der eine nimmt dem anderen was weg: „Alter“. Große Freude: „Alter“. Je nachdem scheint dieses Wort einfach unbegrenzt einsetzbar zu sein. Wichtig dabei ist jedoch die Betonung am Ende des Wortes, die trotz der variierenden Aussage immer ein Ausrufe- und gleichzeitig ein Fragezeichen auszudrücken scheint. Alter, wie anstrengend! Wenigstens wird das Wort nicht mehr – wie einst von gewissen Kreisen meiner Generation – vollkommen respektlos und abwertend dem eigenen Vater gegenüber verwendet. Ich hoffe, das bleibt so!

nice und andere Anglizismen

„Lockdown“, „Social Distancing“, „Hotspot“, „Homeschooling“, „Superspreader“… Gerade erleben wir eine Infiltrierung unserer Sprache. Aber auch schon vor der Pandemie hatte ich vermehrt den Eindruck, dass einfach irgendwelche englischen Begriffe in den Wortschatz geschmissen und einmal kräftig geschüttelt wurden. Raus kam dabei so was wie „das is safe meine Meinung“ oder „das ist so nice“.

Am meisten fällt mir das auf, wenn ich den riesengroßen Fehler mache, ganz kurz bei dem YouTube-Quatsch zuzuhören, den meine großen Jungs sich reinziehen. Denn sie zocken gerne „Minecraft“. Das finde ich schon echt ziemlich dämlich. Noch viel dämlicher ist aber die Tatsache, dass es Menschen – erwachsene Menschen – gibt, die sich auch noch dabei filmen. Als wäre das nicht genug, müssen sie währenddessen den größten Stuss des Jahrhunderts von sich geben. Und dies scheint sich umgekehrt proportional zu verhalten: je kleiner das Gehirn der Labertasche, desto mehr gibt sie von sich. Getoppt wird das Ganze dann nur noch davon, dass sich das tatsächlich jemand anguckt. Gestatten: meine Jungs! Ehrlich … es ist nicht zu ertragen auch nur länger als zehn Sekunden dabei zuzuhören. In diesen zehn Sekunden hört ihr übrigens gefühlt 30 mal „so nice“.

So unbegreiflich ich finde, dass sich meine Jungs das antun, so unbegreiflich findet euereiner wahrscheinlich, dass wir uns ab und an Trash TV wie „Love Island“ zu Gemüte führen. Mein Mann sagt dazu immer „Wären die nicht so bescheuert, wären wir nicht so toll“. So kann man es auch sehen, aber im Ernst: egal, warum wir das schauen – besonders in diesen Sendungen ist mir die Verenglischung der Jugendsprache aufgefallen. Da wird kreuz und quer gemixt. Ob das grammatikalisch oder inhaltlich noch irgendeinen Sinn ergibt, interessiert niemanden. Das liegt dann möglicherweise natürlich auch am Fernsehformat. Was ich da sonst noch alles an Begriffen gehört habe, möchte ich lieber gar nicht erwähnen. Was soll bitte „Kopff**en“ sein?? Ich hoffe, bis meine Kinder dann tatsächlich Teenies sind, sind diese Ausdrücke wieder verschwunden.

Als ob!? und andere Verkürzungen

Wir haben früher gefragt „Darf ich fernsehen“. Subjekt, Prädikat, Objekt – ganz einfach 🙂 Die Generation unserer Kinder hat das Wort „fernsehen“ anscheinend einfach durch jegliche Art von Medien ersetzt, ohne dass ihnen aufzufallen scheint, dass wir nie „Darf ich Fernsehapparat“ gesagt haben. Auch scheinen sie nicht zu bemerken, dass sie damit keinen ordentlichen Satz bilden. Es wird uns also wochenends schon morgens entgegengeschleudert „Darf ich Tablet?“, „Ich will Switch“ oder „Kann ich YouTube?“. „Ähm nein. Wir haben noch nicht gefrühstückt.“ hingegen ist ein ganzer Satz. Das sind sogar zwei ganze Sätze. Die wiederum werden aber nicht verstanden. Komisch!

Mein Lieblingssatz bei solchen Verkürzungen ist übrigens „als ob!?“. In diesem Halbsatz steckt so viel drin, ohne dass man es aussprechen muss. „Das kann ich gar nicht glauben“, „Nie im Leben ist das passiert“, „Erzähl mir doch keinen Blödsinn“, „Ich bezweifle, dass das so ist“, „Ich zweifle an deinem Verstand“, „Das ist nicht wahr“, „Auf gar keinen Fall“ … um nur einige wenige Beispiele der Bedeutung dieses außergewöhnlich literarisch anspruchsvollen Satzes zu nennen.

Es lebe die Jugendsprache

Selbstverständlich aber soll jede Generation ihre eigene Sprache haben. Es gehört doch irgendwie dazu. Damit können wir uns abgrenzen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln und uns cool fühlen 😉 Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie peinlich wir das in der Jugend fanden, wenn dann die ältere Generation „einen auf cool gemacht hat“ und unsere Begrifflichkeiten mehr oder eher weniger richtig hat einfließen lassen. Am besten noch während Freunde zugehört haben! Diese Rolle kommt dann bedauernswerter Weise nun wohl uns zu. Ich hoffe für meine Kinder bloß, das Corona-Vokabular wird nicht Bestandteil ihrer Sprache bleiben.

Wenn dann aber mal hoffentlich bald alle – bis auf die paar Flitzpiepen, die das safe nicht wollen – geimpft sind, wird unser Alltag wieder losgehen. Und dann können beispielsweise oben genannte Verkürzungen durchaus etwas Positives mit sich bringen. Man benötigt keine großen Worte, lange Erklärungen oder Diskussionen, um den eigenen Standpunkt klarzumachen. Wenn mein Mann, der die kleinen Fußballer trainiert, der Vertreter vom Elternsprecher ist, der ständig abends da sitzt und für umme irgendwelche Plakate für irgendwen kreiert … wenn der beim nächsten Mal von einer Vorstandssitzung nach Hause kommt und sagt: „Schatz, der Verein sucht noch einen Schatzmeister“ oder irgendeinen anderen Blödsinn, dann sage ich einfach nur schnalzend „Als ob!?“ – und alles ist gesagt 😀

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