… über Abnehmwahn und Leistungsdruck

Als ich 1985 mit der rhythmischen Sportgymnastik begann, wurde mir gesagt, ich sei zu dick und untalentiert. Elf Jahre später war ich mit meiner Mannschaft Deutsche Meisterin, mehrfacher Deutscher Vizemeister und habe mit meinem Verein bei der Junioren Europameisterschaft in Thessaloniki unser Land vertreten. Der Weg dorthin war sehr steinig und hart. Oft werde ich noch heute gefragt, ob es das wert war. Und bis vor ungefähr acht Jahren hätte ich ohne zu zögern mit „ja“ geantwortet. Heute, da ich eigene Kinder habe, hinterfrage ich das Ganze natürlich mehr und sehe alles etwas kritischer. Hartes Training, viel Arbeit, Schweiß, ab und an mal eine Träne, wenig Freizeit dafür viel Verzicht … Keine Frage: Das ist notwendig! Da bin ich voll dabei. Aber ständiges Hungern, der ewige Vergleich mit anderen, Essenswahn und Demütigungen – muss das dazugehören für den großen Erfolg? Und wenn ja … Läuft da im System des Leistungssports nicht irgendwas schief?

Um das klar zu stellen: ich liebe liebe liebe diese Sportart bis heute! Und ich bin meinen Trainerinnen unendlich dankbar für alles, was ich gelernt und erreicht habe. All die wunderschönen Erinnerungen trage ich für immer bei mir und sie sind in meinem Kopf und meinem Herzen, als sei das alles gestern erst passiert. Aber die andere Seite – die Kehrseite der ganzen Medaillen – die habe ich verdrängt. Das ist der Grund, warum ich darüber schreibe. Auf dem Weg des Verstehens, warum ich ein verquertes Verhältnis zum Essen habe und an Panikattacken leide, sind mir die folgenden Ereignisse eingefallen. Selbstverständlich haben nicht alle mit dem Leistungssport zu tun. Und das alles kann auch die schönen Dinge nicht verdrängen – zum Glück. Aber es kann möglicherweise mir und anderen helfen, in Zukunft nicht die gleichen Fehler zu machen.

Hier die Beiträge:

1986 – Der Beginn und das Ende von allem

1987 – Kampf den Kilos

1992 – Po größer als Leistung

1995 – Was sich wiegt, das neckt sich

1995/1996 – Nachtrag zu „Was sich wiegt, das neckt sich“

1995 – Osterhase schlägt Apfel

1195/1996 – Jeder kriegt sein Fett – mehr oder weniger ab