... über dies und das · Vreni schreibt

„Tschüss“ ist lange nicht genug! – Gedanken über Verlust und Tod

Heute versuche ich nicht traurig zu sein, dass manche nicht mehr bei uns sind. Heute möchte ich glücklich sein, dass sie bei uns waren.

Heute ist meine Freundin drei Jahre tot. Dabei hatte ich ihr gar nicht richtig Tschüss gesagt. Aus diesem Grund habe ich vor zwei Jahren einen Brief verfasst, um ihr noch einige Dinge zu sagen, die nie ausgesprochen wurden. Und ich habe ihn mit meinen Lesern geteilt, um ihnen zu sagen: Das Leben ist zum Leben da! Nicht zum Zweifeln, Hadern, Verzichten oder alle anderen Dinge, die uns daran hindern, glücklich zu sein.

Dankbarkeit trotz Pandemie

Immer wieder falle ich zurück in alte Denkmuster und muss mich dann wieder daran erinnern, was ich selbst geschrieben habe. Sei dankbar! Ich bin bei meinen Kindern, sehe wie sie groß werden, halte ihre Hand, streichle sie. Ich ärgere mich mit ihnen herum, wir zanken, brüllen und dann vertragen wir uns wieder. Wir nehmen uns in den Arm, wir gehen spazieren, räumen Zimmer auf, feiern Kommunion. Wir lachen über Filme, streiten über Kickifatz, pflanzen Blumen, gehen schwimmen. Die Liste an Dingen, die meine Freundin nicht mehr tun kann, ist Übelkeit erregend lang!!

Und jetzt sind wir mitten in einer Pandemie. Ich denke, meine Freundin würde sehr gerne auf Kontakte verzichten, Ausgangssperren einhalten, Abstand wahren, Hände desinfizieren. Hätte sie nur noch die Möglichkeit dazu. Hat sie aber nicht. Denn das Leben ist das Leben. Und ohne den Tod wäre es nicht lebenswert.

Photo by Dhivakaran S on Pexels.com

Die Sache mit der Endlichkeit

Ich habe ein riesiges Problem mit dem Älterwerden. Noch ein größeres mit der Endlichkeit. Aber nur die macht unser Leben zu etwas ganz Besonderem. Zu einem begrenzten Zeitraum, den wir mit so viel Liebe füllen sollten, wie es nur geht. Mit Freude, schönen Erinnerungen und Verrücktsein. Auf das alles können wir uns aber nur einlassen, wenn wir das Risiko des Verlusts eingehen. Und wenn ein solcher Verlust dann da ist – und mag er noch so groß sein – dann war das Leben mit einem besonderen Menschen diesen Schmerz wert.

Drei Jahre sind nun vorbei. Drei Jahre, in denen das Leben einfach weitergegangen ist. Drei Jahre, in denen meine Freundin ihrer Familie und ihren Kindern gefehlt hat. Und ihren Freunden. Drei Jahre, in denen wir jeden Morgen aufgestanden und jeden Abend schlafen gegangen sind. Drei Jahre voller Erlebnisse ohne sie.

Zu kurz zum Verschwenden

Warum das Leben so ungerecht ist weiß, ich nicht. Warum manche Eltern ihre Kinder beerdigen müssen – ob als kleines Kind oder als erwachsene Person? Ich weiß es nicht. Falsche Welt! Aber es zeigt uns: jeder Tag ist wertvoll. Und jeder sollte gelebt werden – mit allen Höhen und Tiefen. Sätze wie „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“, sind keine Floskeln. Wir sollten wieder anfangen zu träumen und dann sollten wir es anpacken! Dann sollten wir das Leben mit unseren Familien und Freunden leben, das wir gerne möchten. Wir haben keine Zeit zu verschwenden!

Noch vor Kurzem musste ich erleben, wie schnell es manchmal vorbei sein kann. Was sagt man den Angehörigen und Freunden dann, die diese Person verloren haben? „Es wird alles gut“ oder „Wir schaffen das“ reicht da lange nicht aus. Während der Beisetzung ist mir ein Satz ins Auge gefallen: „Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo wir sind.“ Wenn die erste Zeit verstrichen ist, wenn wir es irgendwann fassen können, wir wütend waren, gebrüllt, geweint und gelitten haben. Wenn wir dann zu einem Punkt kommen, an dem wir akzeptieren und weiterleben … Ist dann der Gedanke nicht tröstlich? Der Gedanke, dass all unsere Lieben für immer bei uns sind? Dass wir mit einem Lächeln im Gesicht von ihnen erzählen, uns erinnern, sie einfach bei uns behalten – und zwar im Positiven. Heute versuche ich nicht traurig zu sein, dass manche nicht mehr bei uns sind. Heute möchte ich glücklich sein, dass sie bei uns waren. Heute möchte ich glücklich sein, dass ich meine Freundin vor zehn Jahren kennengelernt habe und sie mich einen kurzen Weg begleitet hat.

Eure Vreni

Wer den Brief gerne einmal lesen möchte: „Ich hab‘ Dir gar nicht Tschüss gesagt“

2 Kommentare zu „„Tschüss“ ist lange nicht genug! – Gedanken über Verlust und Tod

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