... über das Leben mit vier Männern · ... über dies und das · Allgemein · Vreni schreibt

„Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“ – Schluss mit Vorurteilen und Schubladendenken

Vorurteile erleichtern die Denkarbeit. Schublade auf, Meinung rein, Schublade zu. Fertig. Aber sollten wir es uns wirklich so einfach machen?

Ich gebe zu: Ich finde den Spruch witzig. Und manchmal stimmt er sicherlich. Manchmal oder wahrscheinlich meistens stimmt er aber eben nicht. Und er ist auch diskriminierend. Für die Kinder sogar verletzend. Ich würde nun gerne schreiben „wenn sie ihn denn verstehen“ – ich kann manchmal nämlich nicht aus meinem flapsigen Schreiben raus – aber es geht mir heute um etwas anderes. Ich finde nämlich, wir stoßen viel zu oft auf Vorurteile, werden in Schubladen gesteckt oder tun es eben selbst ganz gerne mal. Meist ohne eine böse Absicht oder ganz unbeabsichtigt.

Da die Weihnachtszeit immer stressiger wird, nehme ich mir in jedem Jahr etwas während der Adventszeit vor. Einfach, um mich ein wenig auf das wirklich Wichtige zu besinnen. Mal habe ich für die Tafel gespendet, was ich seither auch öfter mal tue und wir im Übrigen auch viel öfter tun sollten. Mal versuche ich mein Handy weniger in die Hand zu nehmen, mal besuche ich die Pausenkirche ganz oft. In diesem Jahr versuche ich, mich etwas von meinen Vorurteilen zu entfernen. Einfach mal nicht direkt zu urteilen – ihr wisst sicher, das kann ich besonders gut 😉 Und grade, weil ich jemand bin, der manchmal sehr gehässig sein kann – sorry – und dem es schwer fällt, über seinen Schatten zu springen und einen Schritt auf andere zuzugehen, möchte ich es in diesem Jahr versuchen. Im Zuge der Pausenkirche, die ich eben erwähnt habe, gibt es auch den Pausenklang. Könnt ihr einfach mal googeln 😉 Vergangenen Dienstag durfte ich dabei sein – was wunderbar war – und einen Text während eines Pausenklangs lesen. Und dieser beschäftigt sich genau damit. Deshalb möchte ich ihn euch heute vorstellen.

Schublade auf, Meinung rein, Schublade zu.

„Was? Du bist gläubig? Bist du nicht eher so ein U-Boot Christ?“ So oder so ähnlich war eine Reaktion, als ich erzählte, dass ich wieder bei der Pausenkirche lese. Die U-Boot Christen kennen Sie bestimmt. Das sind diejenigen, die nur an den Feiertagen auftauchen. Okay… Ich gehe tatsächlich nicht mehr so häufig in die Kirche wie in meiner Kindheit. Und ich sage nicht, dass ich das nicht ändern sollte. Aber nicht gläubig? Ich lese meinen Kindern, meist passend zu den Jahreszeiten und Feiertagen, oft Bibelgeschichten vor. Wir sprechen darüber, worum es sich handelt und was wir eigentlich feiern. Wir beten zweimal täglich und zünden gemeinsam Kerzen an, wenn es irgendeinen Anlass zum Beten gibt. Oder auch einfach nur so. Aber die Mühe, das zu hinterfragen, hat man sich halt nicht gemacht. Schublade auf, U-Boot Christ rein, Schublade zu.

Ich bin nicht besser

Vor ein paar Tagen dann, habe ich einen VW vor mir gehabt und eine Deutschlandfahne ist mir ins Auge gesprungen. Darauf stand „Ich spreche und ich bin Deutsch“. Ich wurde richtig sauer und wäre ihm am liebsten mit meinem französischen Auto in seinen deutschen Hintern gefahren. Das hat mich tatsächlich sehr beschäftigt und als ich zu Hause darüber nachgedacht habe, kam mir ein anderer Gedanke. Vielleicht war das gar kein Nazi. Vielleicht war es jemand, der ausländische Wurzeln und möglicherweise schon Einiges erlebt hat und nun provozierend anklagen möchte. Aber auch ich habe mir nicht die Mühe gemacht, zu hinterfragen, sondern habe direkt meine Schlüsse gezogen.

Vorurteile sind vor allem in Glaubensfragen etwas, das uns immer wieder begegnet. Und Vorurteile erleichtern die Denkarbeit. Schublade auf, Meinung rein, Schublade zu. Fertig. Aber sollten wir es uns wirklich so einfach machen?

Dann folgte wunderschöne Musik von „Paul Weber & Grooving Fusion“

Schluss damit! Ab heute zweimal hinschauen

Vorurteile und Schubladendenken finden wir aber nicht nur, wenn es um die großen Fragen geht und was zu Diskriminierung und Rassismus führen kann. Nein. Das fängt immer schon auch im Kleinen an. Weine ich, wenn ich mein Kind in die Krippe gebe, bin ich Übermama. Lasse ich es bis in die Baumkrone klettern, bin ich eine schlechte Mutter. Ich bin aber die, die hinter der Kindergartentür steht und weint. Und ich bin auch die, die ihr Kind ganz hoch klettern lässt, damit es sich ausprobieren kann. Ich bin die Mama, die gelobt wird, weil sie ohne Handy mit dem Kind im Wartezimmer spielt. Und ich bin aber auch die Mama, die noch schnell eine Mail schreibt, während das Kind hinfällt. Ich bin die, die oft nur an Feiertagen in die Kirche geht und ebenso die, die für jeden kleinen Anlass in der Kirche Kerzen entzündet und betet. Der vermeintliche Nazi aus meinem Beispiel ist vielleicht ein Migrant, der dazugehören möchte und die Dame mit dem Kopftuch eine Feministin, die Politik studiert hat. Wir sind mal Helikopter- und mal Rabeneltern, mal U-Boot und mal Vorzeigechristen. Mal sind wir Eigenbrötler, mal Familienglucken. Vor allem aber haben wir es alle verdient, dass zweimal hingeschaut wird.

Auch wenn die Adventszeit von vielen Terminen und Weihnachtsstress geprägt ist, so ist sie doch immer noch eine Zeit, in der wir uns mehr besinnen. In der wir offener für Empathie und Mitgefühl sind. Und so finde ich, sollten wir die vorweihnachtliche Zeit einfach mal nutzen, mehr zu hinterfragen. Nicht direkt die Schublade zuzuschieben, wenn uns der erste Eindruck nicht gefällt. Denn wer seine Vorurteile kennt, kann toleranter werden.

Das Leben ist nicht schwarz oder weiß. Unser Glaube ist nicht schwarz oder weiß. Wir Menschen sind es nicht. Und wir passen nicht in eine Schublade. Da ist viel zu wenig Platz.

(Dann folgte wieder Musik)

Segenswünsche aus Irland

(Quelle: https://www.viabilia.de/irische-segenswuensche/ )

Segen sei mit dir,
der Segen strahlenden Lichtes.

Licht um dich her
und innen in deinem Herzen.
Sonnenschein leuchte dir
und erwärme dein Herz,
bis es zu blühen beginnt
wie ein großes Torffeuer,
und der Fremde tritt näher,
um sich daran zu wärmen.

Aus deinen Augen strahle
gesegnetes Licht, wie zwei Kerzen
in den Fenstern eines Hauses,
die den Wanderer locken,
Schutz zu suchen dort drinnen
vor der stürmischen Nacht.

Wen du auch triffst,
wenn du über die Straße gehst,
ein freundlicher Blick von dir
möge ihn treffen.

Und meine eigenen Wünsche 🙂

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine wunderbare Adventszeit und wunderschöne Feiertage. Ich wünsche euch, dass ihr dankbar sein könnt für das, was ihr habt und dass ihr den Blick auf das Wesentliche gerichtet haltet. Mir fällt es oft schwer und ich arbeite immer wieder daran. Das Wesentliche ist und bleibt die Familie – und dass diese gesund ist. Für immer. Alles andere kann in den Hintergrund rücken. Schöne Feiertage 🙂

8 Kommentare zu „„Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“ – Schluss mit Vorurteilen und Schubladendenken

  1. Ich kann dir sagen, dass es völlig normal ist, dass Menschen mit Vorurteilen reagiern. Das erste Urteil ist immer ein Vor-Urteil, weil wir den Affen noch in uns tragen und in der Steinzeit Vor-Urteile nötig waren, um zu überleben.
    Heute sind wir nicht viel weiter, was das Vorurteil betrifft, weil es in uns wohnt. Man kann millionen Jahre der Entwicklung nicht durch die paar Jahre der Sozialisierung ausradieren.
    So sind wir alle auch eigentlich Rassisten, die sich eher in ihrem eigenen Verbund, ihrem eigenen Stamm, ihrer gleichen Art zugeneigt fühlen. Das lebt in uns und ist uns tief zu eigen.
    Aber wir verfügen inzwischen über Verstand, Wissen und Vernunft und können – so du so schön sagst – zweimal hinschauen. Das macht uns zu Menschen, das schenkt uns Empathie und Mitgefühl.
    Verstehen ist das Zauberwort. Man muss nicht jedem gleich vertrauen, aber wenn man sich öffnet und tiefer blickt, wenn man versteht und nur ein wenig Einblick hat in eine andere Seele, dann ist ein Miteinander möglich. Ich danke dir für deinen Beitrag, der mich zum Weiterdenken angeregt hat und mir gezeigt hat, dass es Menschen gibt, die sich selbst zum Beispiel machen für Fehler, die sie selbst erkannt haben.
    Es ist nie zu spät. Wir wachsen einander. Das Internet erfüllt seinen positiven Sinn.
    Lass es dir gut gehen und pada 🙂

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Das hast du wirklich toll geschrieben. Und ich gebe dir in allem völlig recht. Wobei ich das mit dem Internet noch etwas in Frage stelle. Durch die Anonymität ist das nämlich nicht immer nur so positiv …. Aber wenn ich mich auf den verschiedenen Blogs so umschaue – da sind schon wirklich tolle Sachen dabei. Liebe Grüße, Vreni

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  2. Wer ist eigentlich die hübsche Frau mit den roten Lippen? Mann sieht sie ja in verschiedenen Gesten, unterschiedlichen Posen. Kommt mir aber bekannt vor. Kann mich auch täuschen. LG Sven 😉

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    1. Lieber Sven, ich glaube nicht, dass wir uns kennen. Allerdings ist auf deinem Blog auch nichts herauszufinden und auf dem Bild kann ich auch nichts erkennen, was mir weiterhilft. Von daher … wenn du nicht aus dem Saarland bist, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering 😉 LG

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  3. Hatte mal früher ne Hompagenachbarin, die hies ebenfalls Vreni und dir sieht eine Film- und Theaterschauspielerin ähnlich. Aber es ist wohl so, dass der Name öfters vorkommt und dass es überall die gleichen Typen gibt, was Aussehen und sogar Auftreten betrifft.
    Danke jedenfalls für das Gespräch. Schöne Restwoche dir und deinen Lieben, liebe Vreni 🙂

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