... über dies und das · Allgemein · Vreni schreibt

Meine Mama wird 70 und mir fehlen die Worte

Du bist nicht eine Mama. Du bist DIE Mama. Die, die unsere Hand gehalten, unsere Launen ertragen, all unsere Träume und Wünsche mitgetragen hat. Die, die uns zu den Menschen gemacht hat, die wir heute sind. Und die, die aus allem, was Familie heißen kann, das macht, was sich auch wie Familie anfühlt: eine Einheit.

Auch alle Enkelbuben gratulieren ihrer Oma Maria auf ganz besondere Weise ❤

Vor einiger Zeit habe ich einen Film gesehen, indem eine Mama ihre Tochter in die Disco begleitete. So eine Mutter eben, die nicht alt werden konnte, lieber eine Freundin als eine Mutter war. Auf jeden Fall ist diese Mutter an einer Gruppe von Jugendlichen vorbeigegangen und hat gehört wie einer der Jungs sagte „Guck mal, jetzt kommen die schon zum Sterben hierher“. Und ich musste kurz schmunzeln, weil ich mir vorstellte, wie meine Mama sich darüber ärgern würde. Und dann ist mir bewusst geworden, dass ich ja gar nicht in der Rolle der jugendlichen Tochter wäre, sondern in der der „alten“ Mutter. Ach du Kacke…

Genauso hat eine Turnkollegin zu mir gesagt „ältere Leute sind halt so“, als ich erzählte, dass meinen Eltern der Weg zum Wettkampf zu weit ist. Und ich habe völlig schockiert gesagt „meine Eltern sind doch keine älteren Leute“. Aber doch, sind sie. Da steht jetzt die 7 vorne dran. Und doch sind sie es nicht. Zumindest meine Mama nicht 😉 Meine Mama ist immer noch die jung gebliebene, starke, bewundernswerte Frau, die immer für alle da ist. Aber wann sagt man so etwas schon mal zu jemandem?

Nicht irgendwann, jetzt!

Als mein Schwiegervater letztes Jahr gestorben ist, ist uns schmerzlich bewusst geworden, dass da immer viel zu viele unausgesprochene Worte sind. Viel zu vieles, das man demjenigen nie gesagt hat. Daher hatte meine Schwester die wunderbare Idee, dass diejenigen, die Mama am nächsten stehen, einen ganz persönlichen Brief, der nur für sie bestimmt ist, schreiben sollen. Einfach, um die Möglichkeit zu ergreifen, ihr diese Dinge zu Lebzeiten zu sagen.

Skurrilerweise sehen wir die Liebe derjenigen, die uns am allermeisten lieben, als am selbstverständlichsten an. So ist es mir tatsächlich extrem schwer gefallen, diese persönlichen Zeilen zu verfassen.

Ein Brief an meine Mama

Liebe Mama,

wie auch oben geschrieben, finde ich, dass es bemerkenswert ist, wie jung du geblieben bist. Als Oma Heidi 66 wurde, habe ich ihr ein Bügelbild gemacht, das nach dem Bügeln dummerweise eine 99 war. Aber früher war mir das egal. 66 schien mir eh schon so unendlich alt.

Aber was ist eigentlich alt? Vergleicht man Bilder mit 70-jährigen Frauen aus Jahrzehnten in den 1900ern würde man sagen: das ist alt!! Aber auch ein Bild aus 2025 zeigt keine Frau, wie du es eine bist. Das Aussehen bestimmt das Alter so oder so nicht, auch nicht die Zahl… es ist das Wesen. Und dein Aussehen ist einfach nur das Spiegelbild deines Wesens. Du kannst nicht nicht alt werden und machst einen auf Freundin. Nein, du bist einfach in dir drin jung geblieben. Flexibel, interessiert und engagiert in ganz vielen Bereichen.

Wie ich es oben aber auch geschrieben habe, nehmen wir deine Liebe immer schon als zu selbstverständlich. Vieles lernt man dann erst zu schätzen, wenn man erwachsen ist und manches erst, wenn man eigene Kinder hat. Und einiges versteht man auch dann erst. Kein Druck, sondern Vertrauen, kein Auslachen, sondern Unterstützung, keine großen Ansagen, sondern ein Aufeinander-Acht-geben.

Und nur, weil wir das von dir gelernt haben, können wir das an unserer Kinder weitergeben. Zumindest hoffe ich, dass wir das tun. Unser Leben lang hast du uns das Gefühl gegeben, dass wir genauso gut sind, wie wir sind. Schlechte Note, schlechter Wettkampf, schlechte Entscheidungen… scheiß drauf! Das tut deiner Liebe an uns keinen Abbruch. Ich glaube, seinen Kindern dieses Gefühl zu vermitteln ist eine Kunst, die nur sehr wenige beherrschen und von der ich hoffe, dass ich sie irgendwann auch mal erlerne. Das ist deine Superkraft.

Du bist DIE

Du bist nicht eine Mama. Du bist DIE Mama. Die, die unsere Hand gehalten, unsere Launen ertragen, all unsere Träume und Wünsche mitgetragen hat. Die, die uns zu den Menschen gemacht hat, die wir heute sind. Und die, die aus allem, was Familie heißen kann, das macht, was sich auch wie Familie anfühlt: eine Einheit.

Waren wir traurig oder hatten wir Angst, warst du da. Bei jedem einschneidenden Ereignis, am ersten Schultag, bei der Kommunion, bei der Hochzeit, bei den Taufen unserer Kinder … warst du da. Aber viel wichtiger- du hast immer hinter uns gestanden. Bei Erfolgen und Misserfolgen, beim ersten Liebeskummer, ersten Kater, bei guten wie bei schlechten Noten, bei guten wie bei schlechten Entscheidungen – IMMER warst du da. Auch wenn du selbst müde und ausgelaugt warst. Wir haben Chancen bekommen und gelernt, Träume haben zu dürfen, sie verwirklichen zu können. Du hast uns machen lassen, bereit uns aufzufangen, falls wir fallen. Du hast uns lernen lassen, auf eigenen Füßen zu stehen. Nur, wer Eltern hat, die einem den Rücken stärken, kann so groß werden, wie wir es sind. Wir durften uns bei dir entfalten und uns dabei immer treu bleiben. Dass das nicht selbstverständlich ist, lernt man dann auch erst, wenn man groß ist. Danke dafür!!

Damals wie heute: Supermama

Auch heute bist du immer noch genauso immer für uns und nun auch für deine Enkel da, stellst deine Bedürfnisse immer noch hinten an. Ich kenne niemanden, der sich selbst so wenig wichtig nimmt, obwohl du im Leben so vieler wichtig bist. Was wir dir alle zu verdanken haben und was du jetzt noch für uns alle tust, kann ich gar nicht in Worte fassen. Endlose Taxifahrten, Krankenhausbegleitung, Rehabegleitung, Auffanglager für gestrandete „Ich hatte nur fünf Stunden“-Schüler – um nur klitzekleine Beispiele zu nennen.

Aber am Wichtigsten: dieses endlose Gefühl der Geborgenheit, das du vermittelst. Liebe ohne Kompromiss. Du hast uns gelehrt: Liebe ist nicht an Bedingungen gekoppelt. Da gab es kein Buhlen und keine Kämpfe und schon lange keine Angst, sie könne irgendwann nicht mehr da sein. Die Liebe war und ist einfach immer da. Schaffe ich es, meinen Kindern das zu vermitteln, auch nur ein bisschen Mama zu sein, wie du es bist, habe ich das Größte erreicht, was man erreichen kann. Du bist nicht nur meine Mama, sondern auch mein größtes Vorbild. Wir lieben dich – genauso wie du bist.

Und am Ende eines solchen Briefes schreibt man dann üblicherweise: „Bleib so wie du bist!“. Aber was soll ich sagen? Bei uns ist nichts üblich. Im Großen und Ganzen sollst du natürlich genauso bleiben. Eine Sache wünsche ich mir allerdings für dich: dass du deine Superkraft auch mal für dich einsetzt. Ich gebe zu, dass das auch etwas egoistisch ist. Denn wenn man immer nur die „Sozialstation“ für ganz viele ist, wie wir es gerne mal liebevoll bezeichnen, dann grenzt das an Selbstaufgabe. Dann geht man irgendwann kaputt. Und wir hätten dich gerne noch mindestens 30 Jahre ganz 🙂 Also wünsche ich dir zum Geburtstag nicht nur alles Glück der Welt, Gesundheit, Freude, Zufriedenheit, Glücklichsein, … sondern auch, dass du es schaffst, ab und an mal „nein“ zu sagen und damit „ja“ zu dir selbst. Auf ein erfülltes Leben mit uns allen – denn uns wirst du niemals los! 🙂

In Liebe, Deine Verena

P.S.: Bei Fotos is Mama ganz empfindlich. Da muss ich erstmal nachfragen, was ich hochladen darf, aber der Beitrag war ja eine Überraschung…

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