Tim Bendzko · Vreni hört

„Filter“ von Tim Bendzko – Ein wirklich neues Album in allen Belangen

Es ist einfach anders und doch Tim Bendzko. Und diesmal ist es tatsächlich so, dass es einfach das Gefühl beim Hören ist, das stimmt.

Ich gebe es zu: Immer wieder werde ich zum Teenie. Da muss nur ein guter Sänger daher kommen, der dazu auch noch niedlich aussieht und schwupp ist es um mich geschehen. Wer sich nun an dem Wort „niedlich“ stört, dem kann ich sagen: anscheinend ist das genau der Typ, der mir gefällt. Ob das nun Paddy Kelly ist – ihr konntet es lesen – Matthias Schweighöfer, Daniel Donskoy oder Wincent Weiss. Alle haben doch eines gemeinsam: sie sind irgendwie niedlich 😉 Okay Herbert Grönemeyer ist ein Gott und der ist nun wirklich alles andere als niedlich, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und es ist immer noch so wie vor 25 (in Worten fünfundzwanzig!!!) Jahren: wenn ein neues Album meiner Herzsänger erscheint, muss ich es sofort haben. Auch wenn nicht mehr so viele der Künstler übrig sind, die ich vor einem viertel Jahrhundert gehört habe 😉

Dafür gibt es aber nun seit nunmehr acht Jahren – zumindest auf meinem Schirm – Tim Bendzko. „Filter“ heißt sein neues Album und wegen unseres Notdiensts am Freitag musste ich mich tatsächlich bis 18 Uhr gedulden, bis ich es endlich hören konnte! Dann hat doch tatsächlich auch noch mein Ältester die CD stibitzt und als erster gehört. Seither läuft es sowohl im Kinderzimmer, im Auto, als auch in der Küche beim Frühstück, Mittagessen und Abendessen und es wird dazu gewippt und gesungen bzw. versucht zu singen. Sogar der Kleinste winkt fröhlich mit den Händen mit

Tim Bendzko versprach etwas ganz Neues

Vorneweg kann ich sagen: das Album hält, was Tim Bendzko versprochen hat. Am 24. Juli hat er im Live-Video auf Facebook zu „Filter“ ein „Ihr fragt, ich antworte“ veranstaltet. Tränen hat er versprochen. Dass es ganz anders wird, hat er gesagt. Dass die letzten Alben ungefiltert waren, weil er die Songs allein geschrieben hat. Diesmal aber wollte er das Beste aus sich raus kitzeln und habe mit anderen zusammen kreiert. Er hat sozusagen einen Filter drüber gelegt. Im positiven Sinne natürlich. Und so viel kann ich schon direkt ausposaunen: Anders, das trifft es wirklich.

„Jetzt bin ich ja hier“ sagt schon genau das aus. „Alles neu, alles neu“: genauso kann man es sagen. Genauso ist „Filter“. Und das hört und spürt man sofort beim ersten Song. Tim Bendzko gibt uns ein Versprechen. Zumindest fühlt es sich so an. Ein Gefühl, dass er da ist. Und das ist er jetzt ja auch endlich wieder. Endlich ein neues Album, endlich neue Songs, endlich eine Tour, endlich, endlich, endlich!

So ne richtig triefende Schnulze fehlt mir

Ich finde in den Songs tatsächlich seine Aussagen von besagtem Video wieder. Bis auf die Tränen. Dazu muss ich sagen, dass ich bei Tim Bendzko textlich die ganz großen Gefühle oft vermisse. Als würde er nicht gerne alles von sich preisgeben. Es fehlen mir so zwei drei Songs, bei denen mir auf Anhieb die Tränen in die Augen schießen. Grönemeyers Texte beispielsweise sind so brutal emotional. Das fehlt mir bei „Filter“ und Tim Bendzko insgesamt ein wenig. Dennoch berühren mich seine Texte natürlich total. Sie sind ehrlich, bewegend, aus dem Leben gegriffen. Immer so, dass man selbst seine Interpretation suchen, sich selbst darin wiederfinden kann.

Ich steh‘ halt total auf Liebeslieder, aber da tue ich mir bei Tim Bendzko immer etwas schwer. “Nur wegen Dir“, „Trag Dich“, „Freier Fall“ und „An Deiner Seite“ habe ich als die Liebeslieder des Albums auserkoren. Wie gesagt werde ich nicht immer so hundertprozentig schlau aus seinen Aussagen und es ist und bleibt Interpretationssache. Vielleicht ist das aber auch sein Geheimnis, dass ich die Lieder immer wieder hören möchte. Denn immer wieder finde ich neue Schätze darin. Und für große Gefühle braucht es ja nicht nur Liebeslieder.

Gänsehaut pur

Denn ich kann euch sagen, „Filter“ sorgt bei mir für jede Menge Gänsehaut. Da wäre zunächst „Dieses Herz“, bei dem ich sofort an meine Rastlosigkeit denken muss. Er singt von Ruhelosigkeit ohne doch genau zu wissen, wo man Ruhe überhaupt finden kann. Und ob man sie finden will. Ein Song vom Nichtankommenkönnen: ein ganz großes Thema für mich, wie ihr auch in meinem Brief an meinen Mann lesen konntet.

Auch die beiden Features, die er damals noch nicht verraten hat, sind ein Knaller. Bei „Nicht genug“ mit Kool Savas stellen sich mir direkt die Härchen auf. Der Song trifft den Nerv und das, was mich momentan umtreibt. Ähnlich wie bei „Dieses Herz“ jedoch mehr auf die digitale Welt gezielt. Zurzeit nicht nur für mich von großer Wichtigkeit. Seit ich meinen Blog schreibe, versinke ich so oft sinnlos im großen Social Media Netz, kann mich kaum raus winden und bin ständig dabei, nach Likes und Leserzahlen zu schauen. Dabei sind sie bei mir noch verschwindend gering. Aber es wird uns auch vorgegaukelt, dass das alles möglich ist und dass wir so sein sollen.

Ebenso Gänsehautfeeling verursacht „Laut“. Mein Sohn ist auch gleich der Aufforderung gefolgt und hat die Musik so richtig laut gemacht.

Favorit: „Für immer“

Mein persönlicher Favoritensong ist „Für immer“. Da hab ich mich sofort verliebt. Anders, witzig und mit genau meinem Humor vermittelt es eine gewisse Leichtigkeit. Textlich top. So ein bisschen erinnert er mich zum einen an Philipp Poisel, der es auch schafft mit den einfachsten Worten, das Größte auszudrücken und damit direkt ins Herz zu treffen. Zum anderen aber auch an den großartigen Roger Cicero, der diesen gewissen Wortwitz in seinen Liedern einbettet wie kein anderer. Und doch ist es natürlich ganz Tim Bendzko. Genau mein Ding!

Im Juli meinte Tim Bendzko, die Hälfte der Themen würden Dinge beschreiben, die hinter ihm lägen, vergangene Gefühle, Ereignisse usw. … Die andere Hälfte beschreibe den Aufbruch. Das, was noch vor ihm liege. Diese Aufbruchstimmung ist im gesamten Album zu finden, wie beispielsweise in „Nie mehr zurück“. Aber vor allem natürlich in „Hoch“. Dazu brauche ich nicht wirklich viel zu schreiben, denn um dieses Lied kommt diesen Herbst einfach niemand rum. Ob nun, weil es bei der Leichtathletik-WM oder bei Fußballübertragungen hoch und runter lief, oder weil es einfach größtes Ohrwurmpotential hat. Und es filtert so richtig den Kern des Albums raus. Denn es ist ganz ungewohnt und neu. Und klasse 😉

Eigenkritik?

Bei „Vielleicht“ kam mir direkt der Gedanke, dass der Songtext sehr passend ist. Man hat nämlich oft das Gefühl, dass Tim Bendzko sich nie so richtig festlegen kann.

Bei Aussagen zu seinen Songs hält er sich eher bedeckt oder eher so wischiwaschi. Interpretationssache halt. Auch aus politischen Themen hält er sich beispielsweise weitestgehend raus. Klar, das ist nicht sein Job, aber rein theoretisch kann man als so beliebter Sänger mit klaren Aussagen auch viel bewegen.

Auch bei „Leise“ schleicht sich der Verdacht ein, dass er kritisch auf sein Leben blickt. Er singt kritisch über Ruhm, Geld und Erfolg. Dass er als Sänger vollkommen glücklich mit seiner Berufswahl ist, betont er immer wieder. Und das nehme ich ihm voll und ganz ab. Aber dass das nicht alles sein kann, ist ja auch klar. Für mich lädt dieses Lied zum Grübeln ein über das, was man sich wünscht oder besser gesagt was ich mir wünsche und wünschen sollte.

Fazit: ich bin und bleibe verliebt 🙂

Eineinhalb Jahre hätte er laut eigener Aussage nicht durchgeschlafen, gearbeitet, so richtig dann seit Januar dieses Jahres. Was soll ich sagen: es hat sich gelohnt. Mit seinen persönlichen Erlebnissen hat er dem Album eine eigene Persönlichkeit gegeben. Ich habe es gehört, wieder gehört, wieder gehört und als ziemlich geil befunden. Es ist einfach anders und doch Tim Bendzko. Und diesmal ist es tatsächlich so, dass es einfach das Gefühl beim Hören ist, das stimmt. Denn bei aller Kritik und bei aller Arroganz, die Tim Bendzko manchmal an den Tag legt, so ist es seine Stimme, die mich am meisten in den Bann zieht. Die berührt mich und macht ihn zu einem einzigartigen Künstler. Und mich zum Teenie ;)‘

Nun hat er in dem besagten Video auch versprochen, dass er auf der Tour zwar auch alte Kamellen spielt, die neuen aber live ein Kracher werden. Ich bin gespannt. Also Tim enttäusch‘ uns nicht 😉 So wie mit dem Album. Das hat uns nämlich so richtig begeistert! Wir sehen uns im Dezember in Berlin …

Tracklist

  1. Jetzt bin ich ja hier
  2. Dieses Herz
  3. Nicht genug ( feat. Kool Savas )
  4. Nur wegen dir
  5. Für immer
  6. Hoch
  7. Laut
  8. Trag dich
  9. Freier Fall (feat. Millow )
  10. Nie mehr zurück
  11. Vielleicht
  12. Leise
  13.  An deiner Seite

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