... über das Leben mit vier Männern · Vreni schreibt

Scheiße es sind Ferien! Oder kann es sogar schön werden?

Und wenn nichts mehr hilft: trinkt Wein. Oder Sekt. Das geht auch.

Erinnert ihr euch noch an dieses Gefühl? Wenn die Schulklingel zum letzten Mal gongt und die großen Ferien einläutet? Wenn sechs Wochen Sommer vor einem liegen? Sechs Wochen ausschlafen, sechs Wochen nicht lernen, sechs Wochen Schwimmbad, Freunde treffen, Spaß haben – sechs Wochen pure Freiheit. Ich erinnere mich noch genau daran und denke momentan sehnsüchtig an die Zeit zurück, in der ich mich über die Sommerferien noch dermaßen gefreut habe. Heute bedeutet das Klingeln irgendwie etwas anderes, oder? Sechs Wochen eine schöne Zeit mit unseren Jungs. Aber auch sechs Wochen Kinderbespaßung ab 7.30 Uhr (das sind bei uns wegen der Betreuung zum Glück nur vier), sechs Wochen elendes Gefrage „Wann darf ich Tablet?“, sechs Wochen sehr kurze Abende zu zweit und sechs Wochen nur so mittelmäßiger Haushalt. Denn ganz ehrlich: für alles zusammen reichen meine Nerven irgendwie nicht aus.

Gerade sind zumindest bei uns im Saarland die ersten drei Ferienwochen um. Und die Kinder haben ganz entrüstet gefragt „Was? Schon drei Wochen um?“ und mein Gedanke war nur „Was? ERST drei Wochen? Scheiße! Wie kriegen wir die anderen denn hinter uns?“ Dazu kommt, dass die Betreuung jetzt drei Wochen geschlossen hat und mein Mann aber nur die letzte Woche Urlaub. Bedeutet: 1 Erwachsene, 2 Wochen, 3 Kinder – Juchu!! Ähm … oder? Denn dann auf einmal frage ich mich, ob da was schief läuft. Woher kommt dieses Grauen? Das will ich gar nicht. Freue ich mich etwa nicht auf die zwei Wochen? Zwei Wochen mit meinen liebsten Schätzen, die ich liebe, mit denen ich gerne spiele. Und den Haushalt kann ich auch mal liegen lassen. Im Übrigen eine meiner leichteren Übungen. Ich will das so gerne genießen! Aber manchmal da nerven sie mich so sehr. Nein. Eigentlich nicht die Kinder nerven mich. Sondern der Streit.

Es ist der Streit. Der Streit und das Gemotze und mein manchmal zu schwaches Nervenkostüm. Das geht mir so an die Substanz, dass ich manchmal schon morgens um halb acht am Limit laufe. Ich habe mich umgehört und bin ehrlich erleichtert, dass es den meisten Familien ähnlich geht. Und dabei ist mir aufgefallen, dass es ja eigentlich nur diese drei Punkte sind, die aus der wunderbaren freien Zeit … ähm … etwas Unbehagliches machen. „Etwas Unbehagliches“ passt natürlich überhaupt nicht. Aber „die Hölle“ klang mir irgendwie dann doch zu hart. Auch wenn man es manchmal vielleicht damit vergleichen könnte 😉 Nun gut … Möglicherweise kann man an den drei Punkten ja etwas ändern. Denn wer möchte nicht lieber die Zeit mit den Kindern genießen, als etwas Wunderbares und Einzigartiges empfinden? Denn das ist es die ganze Zeit über. Nur eben etwas versteckt hinter den Pokémon-Kämpfen und Beschimpfungen auf die wir uns konzentrieren.

Dem Streit so gut es geht aus dem Weg gehen

Vor Kurzem habe ich einen Artikel, nein eine ganze Rubrik bei „Eine ganz normale Mama“ entdeckt. „Bullshitbingo“ nennt sich das Ganze und oh wie kann ich da mitfühlen. Es geht um Floskeln, die alle Eltern kennen und immer wieder in allen möglichen Situationen zur Anwendung kommen. Oder um Ausrufe der Kinder, die ebenso allen bekannt sein müssten. So ist es bei uns an freien Tagen morgens. Freue ich mich abends noch auf einen gemütlichen, gemeinsamen Morgen, so ist es an dem Morgen tatsächlich dann ganz schnell vorbei damit. Denn die großen Jungs streiten. Und das nicht zu knapp. Ich habe euch mal ein Streitbingo zusammengestellt. Jeder der mindestens zwei Kinder hat, wird wahrscheinlich sofort „Bingo“ rufen.

Nach einer Idee von Nathalie, Eine ganz normale Mama – Der Mamablog mit mehr Life als Style

Morgenmuffel – vielleicht angeboren?

Okay … dass es soweit kommt, kann ich irgendwie auch nachvollziehen. Ich bin der größte Morgenmuffel, den man sich vorstellen kann und irgendwas werden sie ja auch von mir geerbt haben. Möglicherweise können sie ja nichts dafür. Wenn sie sich also beim Aufstehen nur annähernd so beschissen fühlen wie ich mich vor meinem ersten Kaffee, dann haben sie mein vollstes Verständnis. Ich kann halt nicht gegen irgendwas oder irgendwen treten. Also natürlich könnte ich und würde ich auch gerne, aber das würde wohl nicht so besonders gut ankommen.

Wie vermeide ich also überhaupt diesen Streit, der mir so den allerletzten Nerv raubt? Ich habe mich mit anderen Mamas unterhalten und mir auch den ein oder anderen Tipp geholt. Bei einem Punkt sind wir uns alle einig: auf keinen Fall den ganzen Tag in der Bude hocken. Ich bin kein Freund von zugeknallten Tagen, aber tatsächlich sind die Kinder in den Ferien so unausgelastet, dass ich denke, je mehr Programm desto besser. Zuerst dachte ich, wir gehen einfach jeden Tag ins Schwimmbad. Mit Baby geht das aber leider nicht, also habe ich mich einen Tag hingesetzt und geschaut, was alles so möglich ist.

Viele tolle Ideen

Und ich war so überrascht, was allein die einzelnen Städte anbieten. Manches kostet etwas, manches nicht. Man müsste sich bloß früh genug damit auseinandersetzen. Nicht wie ich kurz vor knapp 😉 Entgegen meiner Erwartung sind diese Angebote nämlich wahnsinnig beliebt. Da gibt es betreute Fahrten in Freizeitparks, Spieleolympiaden, Nachtwanderungen, Backen, Insektenhotels bauen, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. Es gibt sogar Projekte, die über mehrere Tage gehen wie ein „Waldcamp“, bei denen die Kinder den halben Tag beschäftigt sind. Ich hatte zunächst ein ganz schlechtes Gewissen, weil es sich so nach Abschieben anhört. Aber das stimmt gar nicht. Vieles ist so liebevoll gemacht und wenn man mal darüber nachdenkt – hätte es so was früher gegeben, wäre ich begeistert gewesen. Davon haben also alle etwas 😉 Aber wie gesagt: Früh genug dran sein und so 🤪

Außer solcher Angebote kann man natürlich auch einfach so Ausflüge und Programmpunkte planen – eventuell sogar noch mit Freunden. Das geht von einem normalen Schwimmbadbesuch, über Rodeln auf einer Sommerbobbahn, Fußballgolf oder einem Mais-Labyrinth bis hin zu im Garten Zelten und Stockbrot backen. Ganz tolle Ziele habe ich zum Beispiel bei der Seite „Freizeitengel“ gefunden. Dort kann man auch gezielt nach einem Bundesland suchen.

Was mir natürlich aufgefallen ist und was mich extrem annervt sind die Kosten. Ohne Moos nix los … das gilt auch, wenn man nicht in Urlaub fährt. Dennoch muss ich sagen, wenn die Kinder dafür gut betreut sind, ist es auch in Ordnung das entsprechend zu vergüten. Und wenn man es ordentlich durchplant, dann kann man sich eine schöne Freizeitgestaltung zusammenstellen, die gar nicht so viel kostet. Die Kinder hocken somit nicht so aufeinander und können demnach viel weniger streiten.

Dem Gemotze vorbeugen

Ja … das Gemotze. Da könnte ich aber so was von noch einem Bullshitbingo zusammenstellen. Wenn ich ganz lieb gefragt werde „Darf ich Tablet“ und ich sage ganz nett „nein“. Dann bricht die Hölle los. Aber ganz ehrlich: dem Gemotze vorbeugen, das kann ich nicht. Wer einen Rat hat, nur her damit. Ich denke, es ist vielleicht auch Charaktersache. Wo der eine mal gut zurückstecken kann, reagiert der andere emotional. Mit einem Wutanfall. Schön 🙂 Wo man dem einen vielleicht mit Vernunft und Kompromissen beikommt, hat der andere Scheuklappen auf ohne jede Einsicht. Und ich weiß, ich muss ruhig bleiben, aber weiter bin ich noch nicht 😉 Zumindest das klappt dann und wann. Daher ist der nächste Punkt umso wichtiger.

Die eigenen Nerven im Griff haben

Also zunächst mal haben wir hier mit den ganzen Ausflugzielen schon gute Arbeit geleistet. Denn wenn wir mit unseren Kindern etwas unternehmen, sind wir ja eigentlich schon gelassener. Und für die Gelassenheit ist Organisation alles. Ich habe mich mit den zwei Großen zusammengesetzt und ihnen meine Vorschläge gezeigt. Dann durften sie ebenso eigene Ideen einbringen, die ich auch ernst genommen habe. Daraus haben wir ausgewählt, was wir am liebsten unternehmen wollen und die zwei Wochen vorgeplant. Natürlich nicht in Stein gemeißelt. Etwas Flexibilität muss ja schon sein. Ich denke, damit ist schon ein riesiger Teil getan. Aber ganz wichtig ist es auch, sich ins Gedächtnis zu rufen: Auch wir haben Ferien.

Auch du hast Ferien

Wir können ruhig mal die Regeln lockern. Die Kinder hüpfen um neun noch auf der Couch rum oder betteln, den Film zu Ende schauen zu dürfen? Na und!? Es sind Ferien. Wir schonen unsere Nerven ungemein, wenn wir sie einfach mal gewähren lassen. Auch sie wissen, dass das nur für eine gewisse Zeit gilt und der Rhythmus spielt sich schon wieder ein. Ich nehme in den Ferien einfach nicht alles zu ernst. Es gibt Tage, da läuft alles super. Und dann gibt es Tage, an denen wird sogar das Kochen schon zur Herausforderung. Erschlagen Sie sich in der Zeit? Dann is das einfach mal so. Dann gibt es an dem Tag eben bei uns Tiefkühlpizza statt zu kochen.

Ganz ehrlich: wenn jemand sagt, du musst ja nicht gleich so ausflippen, dann könnte ich… ausflippen! Aber manchmal hilft es echt durchzuatmen. Das ein oder andere mal weghören oder wegschauen, liegen lassen und chillen. Wir müssen uns einfach darauf einlassen, dass auch wir in den Ferien einen anderen Rhythmus haben und Dinge hinten anstellen können. Und auch Hilfe dürfen wir ruhig annehmen. Meine Kinder haben vorgeschlagen, eine Nacht bei Oma und Opa zu schlafen und die haben sich gefreut. Es ist in Ordnung, wenn wir uns auch mal eine kurze Auszeit gönnen oder uns mal auf eines der Kinder konzentrieren können. Das genießen wirklich alle.

Lasst uns gemeinsam in den Kampf ziehen. In den Kampf gegen Stress, Quengelei und Anstrengung und für mehr Gelassenheit. Und wenn nichts mehr hilft: trinkt Wein. Oder Sekt. Das geht auch.

Und während ich die kommenden zwei Wochen mit meinen Jungs geplant habe, wurde meine Wut darüber, zwei Wochen mit den Kindern allein zu sein und nicht in Urlaub zu fahren tatsächlich immer kleiner und machte der Vorfreude platz. Ja, ich freue mich wirklich darauf. Nur die Jungs und ich – das wird grandios 🙂

6 Kommentare zu „Scheiße es sind Ferien! Oder kann es sogar schön werden?

  1. Liebe Vreni,
    habe deinen Beitrag gerade mit großem Interesse gelesen. Deine Tipps für Aktivitäten gefallen mir grundsätzlich gut, allerdings frage ich mich schon: warum sollen wir Großen unbedingt für die Programmgestaltung zuständig sein? Ich merke immer wieder, das beste Entspannungsprinzip für ALLE ist: mehrere Kinder in ca. demselben Alter zusammen (und zwar nicht nur Geschwister). Und dann als Erwachsene das eigene Ding machen, also ebenfalls zusammensitzen, sich entspannen, quatschten, grillen etc. Dann fangen die Kleinen bald an, auch ihrer Wege zu gehen. Passiert mir gerade so im Urlaub und war eigentlich auch das, was ich als die schönsten Ferienzeiten meiner Kindheit in Erinnerung habe.
    Herzlichen Gruß und schöne Ferien euch auch, Sarah

    Liken

    1. Liebe Sarah,
      ja! Ich gebe dir vollkommen recht, dass das mega entspannend sein kann. Und solche Aktivitäten sind auch mit in unserem Plan. Mit anderen Kindern unterwegs sein geht immer. Aber leider wird auch dann immer mal wieder gestritten 🥴 Und der Jüngste is mit 15 Monaten in so nem Nachlaufalter. Aber es kommen ja auch bei uns bald wieder die Zeiten, in denen man z. B. im Biergarten sitzen kann, alle Kinder toben irgendwo und wir schlürfen in Ruhe unser Bierchen. Oder Sektchen 😋 Euch auch wunderbare Ferien und liebe Grüße, Vreni

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  2. Kenn ich. Streiten oder, auch gut, sich verbünden und irgend etwas anstellen, was den langweiligen Erwachsenen so gar nicht in den Kram paßt (nach dem alten Lehrsatz: aufpassen, wenn sie leise werden!). Für derlei Vorhaben gerne die Kleineren vorschicken und, als älteres Geschwister, unschuldig tun.
    Aber so richtig funktioniert das nur zu Hause. Außer Haus hat man (oft) die liebsten Kinder und fragt sich, wer die vertauscht hat. Klar, auch da muß man etwaigen Dummheiten vorbeugen, die ja manchmal auch ganz unbedarft, ohne Plan, daherkommen. Einfach springen lassen geht halt so bald nicht…
    Aber ja, nachdem sie einem das Ausschlafen gründlich ausgetrieben haben kommen sie irgendwann in die Pubertät, pennen selbst bis in die Puppen und haben kein Interesse mehr an Kinderkram… oder was man so mit Eltern, die eh peinlich sind machen könnte… und entwickeln langsam ganz andere Interessen.
    Na, die werden auch noch groß. Und irgendwoher müssen die grauen Haare ja kommen. Schade, dass man diese und die Falten nicht mit Schildern versehen kann: das war da, als deine kleine Schwester einfach ins tiefe Wasser sprang, während ich euch noch die Schwimmflügel anzog. Oder: das? Das war, als ihr die Glastür zerdeppert habt. Euch an den Scherben geschnitten habt und mit der neuentdeckten Farbe gemalt habt. Aber das wurde ja besser, also ..das war, als du auf dem Campingplatz nachts verschwunden bist und mit dem kleinen Engländer geknutscht hast. Ach ja, es wird immer besser… und dann sind sie groß. Wenn ihr Kinder habt, zeige ich denen jeden Blödsinn, der mir einfällt (die Drohung ist ausgesprochen und ernst gemeint)!

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