... über das Leben mit vier Männern · Vreni schreibt

Das Zubettgeh-Bullshitbingo

Nachdem ich ihnen dann immer wieder versichere, dass man mit zwei Lyonerbroten, fünf Gürkchen, zwei Radieschen, einem Joghurt mit einer ganzen Banane und einem halben Apfel drin, einer handvoll Beeren und einem kleinen Stück Schokolade im Bauch selten den Hungerstot stirbt, gehe ich wieder raus und versuche auf ein Neues, endlich zur Ruhe zu kommen.

Es ist viertel nach sieben. Wie jeden Abend haben die Kinder gegessen, sind umgezogen, haben Zähne geputzt. Also ab… ich schicke sie hoch, jeder darf noch was lesen und wer will bekommt auch vorgelesen. Das ist mal so und mal so – mal lesen wir alle gemeinsam, mal liest einer der Jungs vor, manchmal beides und ab und an will jeder alleine lesen. Was aber immer gleich ist, ist die empörte Frage „Waaaas?

Jetzt schon?“

Ja, jetzt schon. So wie immer seit… ähm, ewig. Das hat sich bei uns so eingebürgert. Ich steh auf Rituale und das Lesen ist eines davon. Und grade bei Ritualen möchte man doch meinen, dass die Kinder da wie aus dem Effeff (ja, das schreibt man so) mitziehen. Doch weit gefehlt. Einen Versuch ist es ja schließlich wert. Vielleicht antworte ich ja doch eines Tages mal mit „ach stimmt, es ist ja noch viel zu früh. Macht euch den Fernseher an und schaut bis euch die Augen zufallen.“ Zumindest mein Schlaf scheint ja völlig über bewertet zu sein. Aber naja, irgendwie scheinen sie daran zu glauben, sonst würden sie schließlich nicht jeden Tag auf’s Neue danach fragen. Ich denke, das kennt jeder und nach der ein oder anderen Diskussion – mal mehr mal weniger – wird gegen viertel vor acht das Licht ausgemacht. Natürlich nicht, bevor ich mich nicht noch erweichen gelassen habe, „nur noch ein Kapitel“ vorzulesen. Dann endlich aber verlasse ich die Kinderzimmer und möchte mich in Ruhe an den Schreibtisch setzen. Oder mal gar nichts tun. Das wäre schön. Aber da geht es auch schon los mit dem ersten „Maaaama“. Aus allem, was bei uns dann abends so gerufen wird, habe ich euch ein Bullshitbingo zusammengestellt. Wer kann mitmachen?

Ich will ein anderes Hörspiel

Bullshit… Tagelang hören sie dasselbe Hörspiel. Und auf einmal MUSS es ein anderes sein. Denken die eigentlich, ich merke nicht, dass so oft hin und her getauscht wird, dass am Ende wieder die CD drin ist, die seit ewiger Zeit schon im CD Player steckt? Top aktuell ist übrigens schon seit dem Hochsommer „Benjamin Blümchen und der Weihnachtstraum“. Kann ich verstehen. War auch meine Lieblingsfolge. Aber „Oh du Fröhliche“ bei noch über 25 Grad zu hören, ist doch irgendwie merkwürdig. Wenn dann aber die Weihnachtszeit kommt, hat sich die Sache endlich erledigt. Da dürfen wir dann wieder „Conny und der Osterhase“ bis zum Erbrechen hören. Ich freu mich 🙂 Nun gut, die CD läuft, aber lange muss ich nicht warten. Dann kommt der nächste Wunsch.

Machst du mir eine Wärmflasche?

Bullshit würde ich am liebsten brüllen. Stattdessen rufe ich „Schatz… Es sind über 30 Grad. Da braucht man keine Wärmflasche“. Ehrlich! Mein Sohn schläft nur noch mit Wärmflasche ein. Den kompletten Sommer über habe ich eine Wärmflasche gemacht. Ob Regen, Sonne, 38 Grad, Schweiß, Sauerstoffmangel, Hitzewallungen – die Wärmflasche muss her. Wer kann es ihm verdenken? Schließlich dauert es gute fünf Minuten bis das Wasser oben im alten Wasserkocher von Oma kocht, weitere zwei Minuten, bis ich alles abgefüllt und eingewickelt habe. Außerdem wird sich halt gekümmert und noch ein bisschen gehämelt. Irgendwie finde ich es ja süß. Aber manchmal einfach auch nervig. Vor allem, wenn es die zehnte Aktion ist, bei der er aus dem Zimmer gestapft kommt. Mittlerweile lege ich die Wärmflasche schon ins Bad und gebe sie ihm meistens schon gleich mit ins Bett. Aber Vorsicht! Da is die Wirkung dann natürlich weg. Allerdings findet sich schon was anderes, was man noch uuunbedingt braucht, oder?

Ich habe noch Hunger

Mensch, natürlich. Das müssen wir verstehen! Schließlich ist es schon eine Stunde her, dass wir vom Tisch aufgestanden sind. Nach dem Abendessen, bei dem alle Stein und Bein geschworen haben, dass sie papp-satt sind. Kennt ihr noch das Märchen Tischlein deck dich mit der Ziege? „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt“. Ja… So sind die beiden Großen. Und wenn sie dann im Bett liegen, dann sterben sie fast vor Hunger. Ehrlich. „Ich hab schon Bauchschmerzen“ und „Ihr lasst mich verhungern“. So ein Bullshit. Nachdem ich ihnen dann immer wieder versichere, dass man mit zwei Lyonerbroten, fünf Gürkchen, zwei Radieschen, einem Joghurt mit einer ganzen Banane und einem halben Apfel drin, einer handvoll Beeren und einem kleinen Stück Schokolade im Bauch selten den Hungerstot stirbt, gehe ich wieder raus und versuche auf ein Neues, endlich zur Ruhe zu kommen.

Mit Vernunft kommen wir nicht weiter

Selbstverständlich war das noch nicht das Ende. Und neben der ganzen Arbeit und dem Feierabend, die seelenruhig unten auf mich warten, geht mir natürlich auch durch den Kopf, dass die Kinder einfach zu wenig Schlaf bekommen. Aber – und da werdet ihr mir alle recht geben – erreiche ich mit meinen Versuchen, sie zum Schlafen zu bringen, so überhaupt nichts! „Geh bitte wieder ins Bett“ bete ich schon wie ein Mantra runter, „Versuch‘ jetzt bitte einzuschlafen“ ist logischerweise vollkommen sinnlos und auch mit „Morgen ist Schule“ komme ich keinen Schritt weiter. Schließlich ist das alles zwar vernünftig, für Kinderhirne aber einfach nur hohles Gelaber. So kommt es mir zumindest vor. Und wenn wir ehrlich sind, hatten wir wahrscheinlich alle in unserer Kindheit Phasen, in denen das Zubettgehen einfach keine Option für das Ausklingen des Abends war. Während ich das schreibe, kommt schon der nächste Ruf.

Ich muss nochmal auf’s Klo

Im kindlichen Körper von bis zehn Jahren scheint es einen Mechanismus zu geben, der das Pipi oder Kacka machen vor dem Zubettgehen verhindert. Denn immer, ausnahmslos immer wird meine Frage, ob noch jemand auf’s Klo muss, verneint. Kaum wird das Licht ausgeschaltet, gebetet, der gute Nacht Kuss gegeben und noch einmal gute Nacht gesagt, kommt aus dem Zimmer „ich muss noch mal Pipi“. Das geht dann verhältnismäßig schnell. Kommt ein „ich muss noch mal Kacka“, dann kann ich schon alles darauf verwetten, dass – kaum liegen die Jungs wieder im Bett – noch ein „jetzt muss ich noch schnell Pipi“ folgt. Klar… Denn wer macht schon beides auf einmal? Kinder auf jeden Fall schon mal nicht.

Grade eben habe ich es noch mal erlebt. „Du warst doch eben auf Toilette. Was hast du jetzt denn gemacht?“ „Ei ich musste ganz dringend meine Hände waschen.“ Ähm ja… Weil er sie so gut sehen konnte im dunklen Zimmer und weil es ihn sonst auch so wahnsinnig interessiert wie die Hände aussehen. „Is klar“ würde mein Mittlerer mit verdrehten Augen an meiner Stelle antworten. Ich erinnere mich da nur mal an diese endlosen Diskussionen, bevor wir uns an den Tisch setzen. Nun gut… Was will man machen? Spät abends ist es eben total wichtig 😉

Da sind komische Geräusche

Ja … und wenn du jetzt nicht schläfst, kommen noch mehr komische Geräusche. Von mir. Weil ich ganz laut „Bullshit“ rufe! Ich schaue also nach der Quelle, erkläre genau, was sich wie anhört, schaue noch unter Bett und Schrank und hoffe, das war’s dann aber endlich.

Ich kann nicht einschlafen

Ja, das gibt es tatsächlich manchmal. Da kommen sie wirklich etwas nach mir. Sie könnten hier doch mal nach meinem Mann kommen. Der legt sich hin, ach Quatsch … der denkt daran, sich hinzulegen und schläft schon. Ich aber nehme auch all meine Gedanken und Sorgen mit ins Bett, wälze mich von einer Seite auf die andere und lese auch durchaus mal die ein oder andere Nacht fast durch. Was man unseren Kindern wirklich nicht absprechen kann, ist Empathie. Manchmal wirklich etwas zu viel. Einmal wurde beispielsweise vor dem Einschlafen geweint, weil in irgendeinem Zoo in irgendeiner Sendung ein Panda gestorben ist und die Tierpfleger geweint haben. Ebenso sind eine halbe Nacht lang Tränen geflossen, nachdem Deutschland bei der WM gegen Schweden gewonnen hat. Ja, wir haben gewonnen. Aber auf dem Bildschirm wurde in Großaufnahme ein weinendes schwedisches Mädchen gesehen. „Die tut mir so schrecklich leid“. Es gibt einfach Dinge, die meine Jungs beschäftigen. Und das ist okay. Dann lege ich mich neben sie, rede mit ihnen und bleibe auch mal liegen, bis sie eingeschlafen sind. Und manchmal genieße ich das sogar richtig.

Denn zum Glück schlafen sie ja doch irgendwann ein. Mal ist es wie gewünscht viertel vor acht. Aber manchmal ist es eben auch nach neun. Mal begleite ich das Einschlafen mehr, mal weniger. Definitiv ist es aber nicht so, dass ich „Gute Nacht“ sage und dann nichts mehr höre und sehe von ihnen. Ich glaube aber, wenn wir uns einfach ein bisschen locker machen, tun wir nicht nur den Kindern, sondern vor allem auch uns einen Gefallen. Ich versuche, nicht mehr so viel darüber nachzudenken, was ich alles erledigen könnte und dass ich auch einfach mal einen freien, ruhigen Abend genießen würde. Letztendlich kann ich in dem Moment sowieso nicht viel ändern. Zugegeben: auch das klappt mal mehr mal weniger, so wie auch das Einschlafen mal besser und mal schlechter klappt. Wir sind eben alle keine Maschinen.

Wie ist das bei euch? Versucht ihr auch immer wieder, eine feste Uhrzeit einzubürgern in der Hoffnung, dass es dann von selbst flutscht? Oder gehört ihr zu denjenigen, die ihre Kinder einfach bis zum Umfallen wach lassen (Ja, die gibt es wirklich!). Oder versucht ihr auch, einen Mittelweg zu finden, in dem ihr euch bemüht, euch nicht so zu stressen und die Kinder aber trotzdem nicht machen lasst, was sie wollen? Wenn ja, dann her mit den Tipps 🙂 Ich freue mich über alle Kommentare.

4 Kommentare zu „Das Zubettgeh-Bullshitbingo

  1. Ich musste herzhaft lachen, weil ich die Palette nur zu gut kenne. allerdings waren mir die Wärmflasche, die ich nie eingeführt habe, und die komischen Geräusche neu. Tipps kann ich leider keine geben, weil meine beiden inzwischen 35 und 41 sind. Da vergisst frau einiges.
    Aber lobende Worte möchte ich unterbringen: seit ich bei der inzwischen nächsten Müttergeneration erlebte, dass Neunjährige unter der Woche schon mal (und manchmal gewohnheitsmäßig) bis zehn aufbleiben dürfen, finde ich viertel vor Acht (einschließlich mancher Unwägbarkeit) doch ziemlich prima. Denn, ja, Kinder brauchen Schlaf und die Großen etwas Zeit ohne Kinder.

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    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und danke für deine lobenden Worte 😉 Auch wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Gleichaltrige viel später ins Bett gehen. Ich finde es wirklich wichtig, dass die Kinder einen gesunden Schlafrhythmus haben. Natürlich passe ich das altersentsprechend an und auch am Wochenende machen wir mittlerweile mal Ausnahmen. Der ganz Kleine (eineinhalb) schläft sogar schon um sieben. Der würde allerdings später übereinanderfallen 😉 Aber wie du auch schreibst, braucht man auch mal Zeit für sich bzw. zu Zweit. Ganz ohne würde es bei mir nicht gehen. Die ist uns heilig, auch wenn sie eben mal mehr und mal weniger da ist 🙂
      Alle Liebe, Vreni

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  2. Oh Vreni – super wieder was von dir zu lesen. Also meine beiden sind jetzt 3 u 4 u da ist es schon genauso. Es sind wirklich die einfachsten Tricks, wie man meist Mama nochmal ins Zimmer bekommt. Bei den Kleinen kommt noch dazu, Mama du musst mich zudecken (könnten sie auch alleine) und du hast das Nachtlicht vergessen. Wohlgemerkt dieses hat drei Farben – mmmmmh, welche nehmen wir heute: „blau, ah nein doch grün o weiß… weiß ist langweilig, dann doch grün… grün war gestern schon, also mama doch blau…“ grrrrrrr.

    Aber das Abends zu Bettgehen klappt ansonsten gut. Wir haben auch feste Zeiten. Liegt wohl daran, dass die Kids auch in KiGa mit mir um 6 h aufstehen müssen – Mama muss ja arbeiten – ja 40 h.
    Also um 19 h ist spätestens Bettzeit. Seit den Sommerferien gar nicht mehr so einfach, aber ich hoffe jetzt wieder auf die Zeitumstellung – dann sollte es wieder besser funktionieren.

    In diesem Sinne – ich freue mich auf die nächste „Anekdote“.

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  3. Liebe Wencke, danke für deinen Kommentar! Wie schön, von dir zu hören 🙂 Ja, das mit dem Zudecken und dem fabrigen Nachtlicht kenne ich tatsächlich auch noch. Bei dem ganz Kleinen kommt das jetzt bestimmt auch bald wieder. Der spricht noch nicht 😉

    Ja, also wir stehen – seit ich arbeite – auch sehr früh auf, aber das ändert wohl nix an der abendlichen Nichtmüdigkeit 😉 40 Stunden … Boa. Ich bewundere dich. Ich laufe schon bei 24 Stunden auf dem Zahnfleisch. Aber sicher gewöhne ich mich auch noch dran. Gehe ja erst seit einem Monat wieder.

    Nach den Ferien ist es bei uns auch immer wieder etwas schwierig. Grade seit sie älter sind. Früher haben wir da noch wenig Ausnahmen gemacht, weil sie das einfach nicht gepackt haben. Naja … ich drücke dir die Daumen und wünsche dir alle Gute.

    Ganz liebe Grüße
    Vreni

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