... über dies und das · Vreni schreibt

Das Corona Bullshitbingo – Teil 2 – oder Meine Gedanken und Ängste zu diesem ganzen Wahnsinn

Wir werden gelernt haben, dass wir nicht viel brauchen, um glücklich zu sein. Nur die Hand von Oma und Opa, die man wieder halten darf. Die tröstenden Umarmungen, wenn man sie braucht.

Ja … wir sind immer noch mittendrin in der Coronakrise. Wer hätte das noch an Fasching gedacht? Aber egal, ob jemand die Maßnahmen übertrieben findet oder sie gerne noch verschärfen würde: Fakt ist, wir stecken alle gemeinsam darin. Und irgendwie finde ich hat es etwas Tröstliches, dass überall auf der Welt verteilt Menschen mit denselben Problemen kämpfen. Dass man überall Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft sieht. Dass Musiker sich zusammentun und jeder von zuhause aus dasselbe singt. Dass andere im Wohnzimmer die Lieblingslieder der Fans singen, um ihnen ein bisschen Einsamkeit zu nehmen. Dass millionenfach der gleiche Regenbogen ausgemalt und aufgehangen wird, um Mut zu machen. Okay! Regenbogen kann ich echt nicht mehr sehen, aber die Aktion ist doch wirklich schön, oder!? Die Welt ist verbunden.

Und auch wenn ich mich vor zwei Wochen schon mal darüber ausgelassen habe und es manchen schon zu den Ohren rauskommt, musste ich dennoch ein paar Gedanken dazu formulieren. Denn es ist nun mal etwas, das uns alle wahnsinnig beschäftigt. So auch mich.

Das große Vermissen

Hat mir zu Beginn der Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen noch nicht wirklich etwas gefehlt, so hat sich das vollkommen geändert. Jetzt erst setzt sich alles so langsam. Natürlich ist es immer noch schön, so viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Aber ich beginne zu vermissen. An vorderster Front meine Eltern, meine Schwester und meine Neffen. Noch nie haben wir uns so lange am Stück nicht gesehen. Ich vermisse es meine Freunde zu umarmen, Küsschen zu verteilen, beim zufälligen Treffen einfach mal auf einen Plausch stehen zu bleiben. Ja … durch die sozialen Medien und anderen technischen Schnickschnack können wir mit Bild telefonieren, sogar eine virtuelle Party feiern. Noch vor zwanzig Jahren wäre das ja undenkbar gewesen. Aber ich vermisse den tatsächlichen Kontakt. Den feuchten Händedruck nicht. Den kann man sich auch gerne nach der Krise sparen. Aber einen tröstenden Schulterklopfer, weil auf der Arbeit alles schiefgelaufen ist. Jemanden, der ein Tränchen wegwischt oder mich einfach mal schüttelt, damit ich klar werde. Ich vermisse es, die Menschen, die ich liebe ganz ganz fest zu drücken, einfach nur, weil ich sie habe. Und dazu gehören nun mal mehr als wir fünf. Wir fünf sind cool. Aber so dicht zusammen wie momentan sind wir auch ganz schön anstrengend 😉

Wirtschaftskrise

Dann gibt es da den finanziellen Aspekt. Kurz nachdem verkündet wurde, dass die Krippen geschlossen werden, habe ich eine Nachricht für eine Petition zur Rückerstattung der Krippekosten bekommen. Direkt am nächsten Morgen. Quasi zu einem Zeitpunkt, zu dem es noch gar keine finanzielle Lösungsvorschläge geben konnte. Da habe ich mich wirklich gefragt „Haben wir keine anderen Probleme?“. Ja, ich zahle die Betreuungskosten weiter, kürze Stunden auf der Arbeit, bekomme vielleicht nicht die kompletten Urlaubskosten erstattet. Aber was ist das alles gegen ein Menschenleben? Dann fahren wir halt mal ein ganzes Jahr lang nicht in Urlaub. Werden wir überleben!! Natürlich wird es wirtschaftliche Folgen geben, die ich in keinster Weise abschätzen und greifen kann. Da bewegen wir uns in Dimensionen, bei denen ich nicht mitreden kann. Aber ich finde es vorbildlich, dass das Menschenleben hier an erster Stelle steht.

Übrigens können wir alle dazu beitragen, unseren lokalen Handel zu unterstützen. Seit Corona wurde bei uns „das große A“ gestrichen. Jede Toniefigur, jeder Stift, jedes Puzzle wird bei der Spielwiese Merzig bestellt. Jedes Buch – wie immer – bei der Dillinger Buchhandlung. Auf alles, was nicht direkt verfügbar ist, wird halt jetzt mal gewartet. Klappt super! Aber das nur mal am Rande … Support your local!

Alles wird gut!

Dann ist da ja auch noch die Sache mit meiner Angst. Es gibt Tage, da ist alles soweit okay. Und dann gibt es Tage, da bestimmt sie mich. Nicht die Angst vor dem Virus. Nein … sie ist einfach da ohne einen wirklichen Grund in diesem Moment. Sie macht mich verrückt, bringt mich um den Schlaf und wirft mich scheinbar um Jahre zurück. Und dann sind da auch die Menschen um mich herum, die leiden. Meine Eltern weinen, weil sie die Kinder nicht sehen und drücken dürfen. Sie befürchten, wichtige Entwicklungsschritte zu verpassen. Eine Freundin soll ihr Kind bekommen und den Papa dann zwei Stunden danach heimgehen lassen. Er und auch die kleine Schwester dürfen das Baby dann nicht besuchen. Eine andere Freundin muss um ihren Laden fürchten, den sie sich über so lange Zeit hinweg aufgebaut hat. In solchen Momenten hilft mir tatsächlich der Satz „Alles wird gut!“. Selbstverständlich weiß ich, dass nicht bei jedem alles wieder gut sein kann. Aber es tröstet mich, ihn irgendwo an einem Fenster zu lesen, auf einem Stein zu sehen oder einfach mal von einem lieben Menschen zu hören. Er baut mich auf und ich halte mich daran fest, dass diese Tage vorbeigehen werden. Es wird vielleicht nicht alles gut, aber es wird definitiv wieder anders als jetzt sein. Besser. Und wir dürfen nicht vergessen, dass alles irgendwie auch immer etwas Positives mit sich bringt.

Das Positive sehen

Ja! Auch wenn ich jemand bin, dem es immer schwer fällt, das Gute zu sehen, fallen mir da doch einige Sachen ein. Eltern lernen ihre Kinder kennen, zum Beispiel. Egal ob Betreuung, Sportvereine oder sonst irgendwelche Beschäftigungsangebote – sie sind doch kaum mehr zuhause. Ich weiß jetzt, wie ich für eine Woche einkaufe. Wie um Himmels Willen ich das alles in den Kühlschrank bekommen soll, habe ich allerdings noch nicht herausgefunden. Tausende Handcremes, die sich bei uns gestapelt haben, werden endlich mal aufgebraucht. Wer bitte mag Wildrosenduft? Und wer bitte verschenkt so was? Egal … jetzt wird sie aufgetragen! Mein Datenvolumen ist niemals leer. Warum auch? Wir haben ja den ganzen Tag WLAN. Das Naseputzen mit Klopapier wird nicht mehr gesellschaftsfähig sein. Gut so! Denn davon wird die Nase wund.

Die Welt wird eine andere sein

Aber im Ernst! Ganz ohne Ironie. Wir werden aus dieser ganzen Sache sehr viel Positives mitnehmen. Ich befürchte, dass das alles nicht sehr lang anhalten wird. Denn der Mensch neigt dazu, sich sehr schnell an das Gute zu gewöhnen. Es als selbstverständlich anzunehmen. Aber jetzt schon sind wir alle wieder viel mehr in der Natur. Wir leben nicht mehr so verschwenderisch, werfen weniger weg. Viele haben wieder einen Sinn für den lokalen Handel bekommen und ein Gespür dafür, wie wichtig dieser für uns ist. Die Menschheit beginnt wieder zusammen zu wachsen. Wir denken an Nachbarn, Obdachlose, einsame Menschen. Wie oben genannt spielen Bands Konzerte im Netz – kostenlos von verschiedenen Standorten aus. Die Leute sprechen sich Mut zu.

Wir schaffen das. Okay. Wir werden Psychologen brauchen, wenn das alles vorbei ist. Schulpsychologen und Eheberater. Viele Eheberater. Ebenso Fitnesstrainer, Ernährungsberater und Entziehungskuren. Aber wir werden auch wieder vieles zu schätzen wissen. An erster Stelle unsere Gesundheit! Freiheit. Hingehen zu können, wohin man möchte, wann immer man es möchte. Seine Verwandten und Freunde zu sehen. Nicht nur über den Bildschirm, sondern in real life. Und sie zu umarmen. Sie alle zu umarmen. Wir werden gelernt haben, dass wir nicht viel brauchen, um glücklich zu sein. Keine vier Urlaube im Jahr, keine Shoppingtouren, keine Produktvielfalt, kein Luxus. Nur die Hand von Oma und Opa, die man wieder halten darf. Die tröstenden Umarmungen, wenn man sie braucht. Der enge Kontakt, der uns jetzt so sehr fehlt. Und ich hoffe, wir werden uns das alles eine ganze Weile bewahren können.


Auch für uns Erwachsene ist es manchmal so wahnsinnig schwer, vernünftig zu sein. Aber wir müssen nur noch etwas durchhalten. Und meiner Familie und meinen Freunden, die das lesen, sage ich: ich freue mich auf euch! Wir werden uns so was von umarmen, so was von uns ins Gesicht greifen, Küsschen verteilen und eng zusammensitzen. Und wir werden dankbar sein, dass wir zusammen sein dürfen ❤

Eure Vreni

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