... über das Leben mit vier Männern · Allgemein · Vreni schreibt

Das Kind: die perfekte Ausrede für alles!

Ich möchte zwar immer noch schlank und durchtrainiert sein, aber es wäre schon schön, wenn ich nichts dafür tun müsste.

Ich möchte grade aus der Tür gehen, da steigt ein beißender Geruch in meine Nase. Das Kind hat die Windel voll. Na toll!! Muss das genau in dem Moment sein, in dem wir eh schon kurz vor knapp aufbrechen wollen? So ein Mist! Wir liegen auf der Couch, um acht wäre „Bauch, Beine, Po“, aber genau die drei Sachen kriege ich gerade gar nicht dazu, sich zu bewegen. Heute nicht! Oder wir sind grade fertig gestylt, um endlich mal wieder einen schönen Abend zu zweit zu verbringen, da schwappt die Apfelschorle, die der Jüngste „allein, allein!“ trinken kann, auf die grade noch schnell gebügelte Bluse. Kacke!

Solche oder ähnliche Szenen kennen alle von uns. Und ich mag mich auch gar nicht über Zuspätkommer, Sportverweigerer oder vollgesabberte Kleidung beschweren. Was mir aber zunehmend auffällt ist, dass unsere Kinder sehr gerne als Erklärung herhalten müssen. Und damit finde ich, machen wir es uns ein wenig zu einfach! Denn die Verantwortung für uns tragen wir immer noch selbst. Und die für unsere Kinder übrigens auch – nicht umgekehrt.

Die Zuspätkommer

Zugegeben… ich bin eher von der pünktlichen Sorte. Wobei ich für die ganz Eifrigen betonen möchte: auch zu früh kommen, ist unpünktlich 😉 Und ich muss auch zugeben: mit Kindern ist pünktlich sein, gar nicht so einfach. Ein Beispiel:

Gehen wir ins Schwimmbad, plane ich eine Stunde Zeit ein, bevor wir da sein müssen. Ehrlich … eine Stunde! Zeit, um den Kleinen einzucremen und den Großen ca. fünfzigmal zu sagen „Cremt euch bitte ein“. „Ja! Auch das Gesicht“„Ja! Auch die Beine.“ Und auf erneute Anfrage „Ja! Auch die Arme. Cremt euch doch einfach ein. Überall!“ „Auch am Penis?“ Haha! Wenigstens haben sie Humor … Zeit, um neben den Schwimmsachen an alle Getränke, Proviant, Sonnenmützen usw. zu denken. Zeit, um dem Kleinen die Schuhe anzuziehen und den Großen hundertmal zu sagen „Zieht bitte eure Schuhe an“. Zeit, um den Kleinen ins Auto zu setzen und den Großen fünfzigmal zu sagen „Setzt euch bitte schon mal ins Auto“. „Ja! Jetzt sofort. Nein. Sofort ist nicht in fünf Minuten, sondern jetzt. Sofort.“ Zeit, um dann alles noch ans Auto zu schleppen, die Kinder zurückzurufen, dass sie ihre Taschen holen kommen, denn die Mama ist ja schließlich kein Packesel. Das alles dauert. Und wenn man die Nerven behalten will und nicht ausflippen möchte, dann dauert es eben fast eine ganze Stunde. Als mein Mann Urlaub hatte, waren wir um drei im Schwimmbad verabredet und er meinte dann um viertel vor drei so „Wir müssen dann los.“ Ach … Das war so niedlich!! Wir waren genau eine Stunde später da 😉

So … und wenn nun auf einem Geburtstag jemand eine Stunde zu spät kommt und sagt „Sooorry!! Der Kleine hat beim Rausgehen in die Windel gedrückt. Ihr wisst ja wie das ist“ … dann könnte ich ausflippen. Ja: ich weiß wie das ist! Und was bitte habt ihr die weiteren 55 Minuten gemacht? Denn wer eine Stunde dazu benötigt, ein Kind zu wickeln, der sollte dringend einen Kurs darin belegen. Was eine Ausrede!

Schlabberlook statt schick und hipp

Immer wieder sehe ich auch Eltern, die es anscheinend extrem bequem mögen, wenn sie die Kinder in Schule und Kindergarten bringen. Und damit meine ich nicht den Freizeitlook. Schließlich scheint es mega angesagt, bis zum Anschlag geschminkt die moderne Jogginghose zu tragen. Ein Trend, der – ich würde sagen zum Glück – völlig an mir vorbeigegangen ist. Nein, ich meine den Schlabberlook, oder „Scheiß-egal-wie-ich-aussehe-Look. Es gibt Jogginghosen und es gibt Jogginghosen. Ihr wisst was ich meine 😉 Und es gibt schnell zusammengebundene Haare und – nun ja – ungewaschene Haare. Haare, die sehr lange kein Wasser gesehen haben. „Die Kinder kosten so viel Zeit, da kommt man zu nix.“ Also wenn man die Kunst perfektioniert, dann kann man die Haare sogar in fünf Minuten unter dem Wasserhahn waschen, es gibt Trockenshampoo und zur Not auch Kappen, Mützen und und und … Außerdem leben wir das den Kindern doch vor. Was sollen die lernen? So … die Mama ist jetzt unter der Haube. Die muss sich für niemanden mehr schön machen und Haare waschen wird überbewertet. Also bitte! Wir machen uns schön für genau eine Person: uns selbst. Und wenn uns dann unser Mann oder irgendein Mann oder unsere Kinder oder unsere beste Freundin schön finden – dann ist es noch schöner. Es geht um Selbstwertgefühl. Das bekommen wir nur von uns selbst. Und daran hindern uns unsere Kinder ganz gewiss nicht.

Die Sportverweigerer

Als ich kurz nach Fritz‘ Geburt voll motiviert jeden Tag ein High Intensity Interval Training absolviert habe, wurde ich oft gefragt: „Wann machst du das? Dafür habe ich keine Zeit.“ Die Zeiten des täglichen Sports sind vorbei, die Motivation hat mich verlassen 😉 Ich möchte zwar immer noch schlank und durchtrainiert sein, aber es wäre schon schön, wenn ich nichts dafür tun müsste. Ich bin auch echt neidisch auf die, die futtern können, was sie wollen und immer top aussehen. Aber damit wurde ich halt einfach nicht gesegnet. An der Zeit liegt das jedoch nicht. Wenn alle drei schlafen, wäre die Viertelstunde täglich oder eine Stunde zweimal pro Woche durchaus drin. Allerdings ist es so furchtbar schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden. Es ist aber so schön einfach zu sagen „Mit drei Kindern habe ich keine Zeit dazu.“ Findet ihr nicht? Ich möchte hier auf keinen Fall dazu aufrufen, sich jeden Abend zum Sport zu quälen. Ich finde, wir sollten uns abends auch mal Ruhe gönnen – Haushalt und Co. nimmt uns ja auch noch in Anspruch. Aber gleiches gilt auch für ein oder zwei Stunden Wellness zuhause, für die angeblich keine Zeit bleibt: Wir müssen uns die Zeit nehmen, wenn wir es wollen. Es liegt in unserer Hand.

Unperfekt perfekt

Versteht mich nicht falsch. Das alles finde ich vollkommen in Ordnung! Eine meiner besten Freundinnen beispielsweise ist die personifizierte Unpünktlichkeit. Aber das nicht erst seit sie Kinder hat. Wir sind so weit, dass wir ihr einen Treffpunkt nennen, der 30 Minuten vor dem eigentlichen liegt. Und dennoch schafft sie es, 15 Minuten nach allen anderen einzutrudeln. Genauso habe ich eine Freundin, die ihren Lebtag keine Zeit an Sport verschwenden würde. Oder ich selbst laufe gerne mal den ganzen Tag in Schlabberklamotten rum. Aber was wir nicht tun ist, die Schuld an alledem in unseren Kindern zu suchen. Nein, wir sind das! Und wir waren schon immer so. Unpünktlichkeit, Lustlosigkeit, keinen Zug: alles kein Problem für mich und mir nur allzu bekannt. Nur wir sollten aufhören, unsere Kinder dafür als Ausrede zu benutzen. Wir sollten vielmehr Vorbild sein und zu unseren Fehlern stehen. Ihnen zeigen, dass wir nicht perfekt sein müssen. Das wäre doch perfekt, oder?

Ein Kommentar zu „Das Kind: die perfekte Ausrede für alles!

  1. Da wir kein Auto haben, sind wir eigentlich immer pünktlich. Wir würden sonst schlicht den Bus verpassen (der zb. am Wochenende zu meinen Eltern nur alle 2 Stunden fährt).^^ Natürlich ist es mit Kindern nicht immer easy, aber ich mache es wie du und starte einfach rechtzeitig mit dem „Aufbruch“. Als Kinderlose konnte ich sicher bis kurz vor knapp noch was anderes machen, dann fix Schuhe anziehen, aufs Fahrrad schwingen und zur Verabredung fahren. Mit Kindern muss ich mind. 30 Minuten eher „losgehen“, damit dann alle angezogen, mit gekämmten Haaren und geputzten Zähnen an der Bushaltestelle stehen 😊 Auf diese Weise war ich selbst bei Babykursen überpünktlich, da hatte ich wahrscheinlich noch mehr Zeitpuffer eingeplant, weil das Fertigmachen eines Babys und der Wickeltasche echt dauern können.

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